Verhütung

Der heimtückische Verführer des Herzens

Der heimtückische Verführer des Herzens

Cholesterin ist keineswegs der einzige Feind unserer Gefäße und unseres Herzens. Der größte „Feind“ wurde erst vor relativ kurzer Zeit entdeckt. Aktuelle Studien haben gezeigt, dass es noch einen weiteren Indikator für die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems gibt, der nicht weniger wichtig ist als der bekannte Cholesterinspiegel – nämlich die Homocysteinkonzentration im Körper. Homocystein ist eine Aminosäure, die an der Proteinsynthese im Körper beteiligt ist. Menschen mit erhöhtem Homocysteinspiegel haben ein erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken. Dies gilt insbesondere für junge Frauen! Eine wichtige Rolle beim Schutz des Herzens spielt eine richtige Ernährung von klein auf: Die Ernährung sollte reich an Folsäure sowie den Vitaminen B6 und B12 sein, die den Abbau und die Ausscheidung von überschüssigem Homocystein fördern. Herzerkrankungen treten nicht plötzlich auf. Sie entwickeln sich allmählich und können sich in jedem Alter bei chronischer Vernachlässigung der Gesundheit manifestieren. Langjährige Ernährungsfehler lassen sich nicht ausgleichen, indem man erst im reifen Alter mit der Einnahme von Vitaminen beginnt. Der wirksamste Weg, das Herz zu schützen, ist ein gesunder Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung während des gesamten Lebens.

Die Homocystein-Sensation Die Welt steht Cholesterin seit langem ablehnend gegenüber, da man davon ausgeht, dass Arteriosklerose (Verdickung und Verhärtung der Arterienwände) durch einen hohen Spiegel an „schädlichem“ Cholesterin im Alter, durch erbliche Ursachen oder durch übermäßigen Verzehr cholesterinhaltiger Lebensmittel entsteht. Vor drei Jahrzehnten stellten Wissenschaftler bei Kindern mit ausgeprägter Arteriosklerose und seltenen genetischen Erkrankungen einen hohen Homocysteinspiegel fest. Seitdem laufen Studien, die belegen, dass gerade ein erhöhter Homocysteinspiegel die Hauptursache für Herzprobleme sein kann. Eine Analyse von 14.000 Menschen ergab, dass diejenigen mit den höchsten Homocysteinspiegeln dreimal häufiger Herzinfarkte erlitten (unter Ausschluss anderer Risikofaktoren). Darüber hinaus zeigte eine separate Studie, dass Menschen mit niedrigen Homocysteinspiegeln regelmäßig mehr B-Vitamine, einschließlich Folsäure, über die Nahrung aufnahmen.

Ein Hamburger statt Gene Wissenschaftler vermuten, dass sich Homocystein im Blut im Rahmen des Proteinstoffwechsels ansammelt, der mit Methionin – einer der Aminosäuren – in Verbindung steht. Die heutige Ernährung ist oft reich an tierischen Proteinen (Fleisch, Eier, Milchprodukte). Ein übermäßiger Anstieg des Homocysteinspiegels lässt sich vermeiden, indem man den Verzehr von tierischen Produkten sowie von verarbeiteten Lebensmitteln mit Zuckerzusatz, Fetten und Getreideprodukten. Pflanzliche und minimal verarbeitete Lebensmittel enthalten große Mengen an Folsäure sowie den Vitaminen B6 und B12, die dabei helfen, Homocystein zu neutralisieren. Früher ging man davon aus, dass die Ursache für Herzerkrankungen eine erbliche Veranlagung sei, die sich besonders bei jungen Menschen manifestiere. Eine Blutuntersuchung bei Frauen im Alter von 18 bis 44 Jahren mit Herzinfarkten zeigte jedoch, dass gerade ein hoher Homocysteinspiegel das Risiko für Herzereignisse bei Frauen verdoppelt, während eine erhöhte Zufuhr von Folsäure dieses Risiko hingegen um die Hälfte senkt. Dies beweist, dass die Ernährung und nicht die Vererbung den Homocysteinspiegel und den Zustand des Herz-Kreislauf-Systems maßgeblich bestimmt. Natürlich gibt es Ausnahmen – bei manchen Menschen verhindern angeborene Störungen die Aufnahme von Folsäure, und selbst eine reichliche Einnahme von Vitaminen der B-Gruppe senkt den Homocysteinspiegel nicht.

Maßnahmen zur Vorbeugung Auch wenn die Forschung, die den Homocysteinspiegel mit Herzerkrankungen in Verbindung bringt, noch andauert, kann man jungen Frauen bereits heute empfehlen, die Zufuhr von Folsäure sowie der Vitamine B6 und B12 zu erhöhen.

  • Vitamin B6 Es wird empfohlen, 3–3,5 µg pro Tag anstelle der bisherigen 1,6 µg einzunehmen. Reich an diesem Vitamin sind Hühnerfleisch, Putenfleisch, brauner Reis, Lachs, Thunfisch und verschiedene Nüsse.
  • Vitamin B12 Nehmen Sie 5–15 µg statt der üblichen 3 µg ein, wenn Sie nicht täglich Fisch und Fleisch essen. Vitamin B12 ist vor allem in tierischen Produkten wie Lachs, Thunfisch, Austern, magerem Rind- oder Schweinefleisch sowie in Milch enthalten.
  • Folsäure Früher wurden 400 µg pro Tag empfohlen, doch es ist besser, die Dosis auf 800 µg zu erhöhen. Dieses Vitamin trägt auch zur Vorbeugung bestimmter Krebsarten und zur Senkung des Risikos für Depressionen bei. Brot und Backwaren aus Vollkornmehl werden häufig mit Folsäure angereichert. Als gute natürliche Quellen gelten Linsen, verschiedene Bohnensorten (schwarze und gefleckte Bohnen), Spinat, Spargel, Rosenkohl, Melone und mit Vitamin angereicherter Orangensaft.

Ein Blick in die Zukunft Auch wenn noch keine endgültigen Schlussfolgerungen gezogen wurden, sollte man sich nicht voreilig dazu hinreißen lassen, Homocystein zum „Feind Nummer eins“ zu erklären. Die Kontrolle des Cholesterinspiegels bleibt weiterhin ebenso wichtig. Es ist jedoch durchaus denkbar, dass die Homocystein-Untersuchung in Zukunft zu einem Standardbestandteil der medizinischen Vorsorgeuntersuchung wird. Bis dahin ist es für jede Frau, selbst für die jüngste, sinnvoll, sich ausgewogen und vitamin B-reich zu ernähren, regelmäßig Sport zu treiben und auf schädliche Gewohnheiten wie Rauchen und Alkohol zu verzichten.

Weitere Tipps zur Senkung des Homocysteinspiegels

Neben einer ausgewogenen Ernährung ist es wichtig, regelmäßige moderate körperliche Aktivitäten in den Lebensstil zu integrieren – wie Spazierengehen, Schwimmen, Yoga oder Aerobic. Körperliche Aktivität trägt zur Verbesserung der Stoffwechselprozesse, zur Verringerung von Entzündungsreaktionen und zur Stärkung der Gefäßwände bei. Darüber hinaus sollte man auf Stressbewältigung achten, da chronischer Stress den Stoffwechsel negativ beeinflussen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann.

Es wird außerdem empfohlen, den Alkoholkonsum einzuschränken, da Alkohol die Aufnahme von Vitaminen der B-Gruppe beeinträchtigt und zu einer Anreicherung von Homocystein führen kann. Der Verzicht auf das Rauchen ist besonders wichtig, da das Rauchen von Tabak die Schädigung der Blutgefäße verstärkt und den oxidativen Stress erhöht.

Um den Homocysteinspiegel zu bestimmen, ist es sinnvoll, sich regelmäßig ärztlichen Untersuchungen zu unterziehen, insbesondere wenn in der Familie Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen oder wenn Symptome wie erhöhter Blutdruck, Schwäche oder häufige Kopfschmerzen auftreten. Der Arzt kann zusätzliche Untersuchungen anordnen und unter Berücksichtigung aller Faktoren einen individuellen Behandlungsplan erstellen.

Es ist auch zu beachten, dass bestimmte Medikamente und Erkrankungen (z. B. Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen oder das Malabsorptionssyndrom) den Homocysteinspiegel beeinflussen können; daher ist bei deren Vorliegen eine ständige ärztliche Überwachung erforderlich.

Die Umsetzung all dieser Maßnahmen im Alltag trägt dazu bei, den Homocysteinspiegel deutlich zu senken und die Herzgesundheit langfristig zu stärken.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"